Corona-Update: Die Heinsberg-Studie

Gepostet in Basiswissen


Die Heinsberg-Studie zu Covid-19: das lernen wir daraus – und das nicht

Sie wurden lange erwartet, jetzt sind sie endlich da: Die Ergebnisse der Heinsberg-Studie. Es ist spannend und zugleich beruhigend zu wissen, wie durch wissenschaftliche Fakten klar wird, dass das Coronavirus zwar nicht harmlos ist, seine Gefährlichkeit aber nicht mit den katastrophalen Seuchen der Menschheitsgeschichte verglichen werden kann. Und wir können lernen damit umzugehen.

Hier die Fakten in Kürze zusammengefasst vom Studienleiter Prof. Dr. Hendrik Streeck. Er ist ein deutscher HIV-Forscher, Professor für Virologie und Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn:

  • Die Sterblichkeitsrate liegt bei ca. bei 0.37 %, also 3 – 4 Mal höher als bei der normalen saisonalen Grippe 0.1 %.
  • Die aussergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 hat nach Schätzungen rund 25’000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet (das war übrigens die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren, wie der Präsident des Robert-Koch-Instituts erklärte).
  • Mehr als jeder 5. Infizierte hat keine Symptome.
  • Wir wissen nicht, ob Infizierte ohne Symptome das Virus übertragen.
  • Ob Kinder weniger oft infiziert werden ist unklar, da zu wenig Kinder in der Studie vertreten waren.
  • In Familien ist die gegenseitige Ansteckung geringer als erwartet.
  • Es gibt auch Ältere mit Vorerkrankungen, die nur leichte Symptome haben.
  • Die Studie suggeriert, dass die Virendosis eine Rolle spielt (wie bei anderen Grippeviren). Menschen, die an der Karnevalssitzung in Heinsberg waren (also dort wo anscheinend die Infektionskette in Deutschland begann und sich daraus ein Flächenbrand entwickelte), hatten nicht nur eine höhere Ansteckung, sondern auch die Symptomatik war viel schwerer. Dies wurde übrigens bereits vor ein paar Jahren in einer englischen Studie gezeigt, dass Probanden mit aufsteigender Virendosis viel stärkere Symptome hatten. Es spielt also offenbar eine grosse Rolle, wie viele Viren man abbekommt.
  • Es ist unklar, ob das Corona-Virus eine Saisonalität aufweist. Einige Beobachtungen sprechen dafür, wie z.B. dass in Australien die Ansteckung zu 80 % “importiert” wurde, als es dort Sommer war.
  • Die neue Form des Corona-Virus wird wahrscheinlich nicht “ausgerottet” werden können, sondern könnte –  wie die anderen vier Coronastämme – heimisch werden. Wir werden also damit leben müssen. Insofern sind die bekannten Regeln wie bei allen Infektionen: Hygiene und Distanz.
  • Es ist unklar wie lange die Immunität anhält. Wir wissen aber von den anderen Coronaviren, dass sich eine partielle Immunität bildet, d.h. man kann sich nochmals anstecken, aber dann mit einem sehr milden oder asymptomatischen Verlauf. (In einem anderen Interview erklärte Hendrik Streeck, dass das auch erklären könnte, wieso gewisse Menschen viel stärker erkranken als andere; d.h. wenn man früher bereits mit einem Coronavirus in Kontakt kam und sich Antikörper und/oder Killerzellen bildeten, gibt das einen gewissen Schutz).
  • Gegen einige Viren haben wir Probleme gute antivirale Medikamente zu finden. Aber wir haben das eine oder anderen Produkt, welches man besser oder noch effektiver machen könnte. Das war z.B. bei HIV damals der Fall, wo man einen Ansatzpunkt hatte und dann ein Medikament nach dem anderen daraus entwickeln konnte. Das braucht aber Zeit, weil man Studien abwarten muss.
  • Bei Impfstoffen kann man keine Vorhersagen machen. Für manche Infektionen wie HIV, Malaria, Hepatitis C, Tuberkulose oder auch die anderen Coronastämme, hat man trotz jahrzehntelanger Forschung immer noch keinen Impfstoff entwickeln können.

 

Das Virus auf der Türklinke

Auch interessant zu wissen (von einem anderen Interview): bereits im ersten Teil der Studie hatte Hendrik Streeck untersucht, ob im Haushalt von Infizierten lebende Viren nachgewiesen werden können. Zu diesem Zweck nahmen die Forscher Tausende Abstriche vor: von Türklinken, Lavabos, Toiletten, Handys und sogar Haustieren. Sie fanden kein einziges lebendiges Virus. Nur genetisches Virusmaterial, das sich im Labor nicht mehr “zum Leben erwecken” liess. Hendrik Streeck vermutet deshalb, dass Schmierinfektionen deutlich seltener sind als befürchtet.

 

Immunsystem stärken!

Auch bereits zu Beginn der Corona-Krise sagte Hendrik Streeck: “Wir tun gerade alles, um unserem Immunsystem zu schaden: wir gehen weniger an die Sonne, bewegen uns kaum noch, ernähren uns womöglich auch noch schlecht.”

Dies ist ein Aspekt, der bisher in der öffentlichen Diskussion praktisch völlig fehlt. Die Einsatzbereitschaft unseres Immunsystems ist nämlich im Falle eines Infektes entscheidend. Davon hängt ab, wie unser Körper mit der Attacke fertig wird.  Das erklärt auch die gesteigerte Sterblichkeit bei Menschen mit Vorerkrankungen, da diese häufig mit einem geschwächten Immunsystem einhergehen.

Mit anderen Worten: ein gesunder Lebensstil sowie eine vitalstoffreiche Ernährung, wie wir in zwei früheren Blogbeiträgen bereits ausführlich erläutert haben, und angemessenes “social distancing” sowie gründliches Händewaschen können uns gegen Infektionskrankheiten – ob Corona oder andere – in Zukunft schützen.

 

Noch ein letztes Wort zum Schluss

Versuchen Sie die Fakten zu verstehen und daraus vernünftige und sinnvolle Schlüsse zu ziehen, denn Angst und Zweckoptimismus sind immer schlechter Ratgeber. Die Aussagen der Wissenschaft sind nie absolut, sodass Sie am Ball bleiben müssen und Änderungen in den Erkenntnissen in das eigene Verhalten mit einbeziehen sollten.

 

Nun wünschen wir Ihnen einen guten Wiedereinstieg in die “Normalität” und bleiben Sie und Ihre Lieben gesund. Bis bald,

Monica & Nadja

 

Kommentar absenden

Your email address will not be published. Required fields are marked *