Wenn Schimmel krank macht

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Schimmelpilze sind allgegenwärtig und nützlich für die Umwelt. Sie sind an der Zersetzung von organischem Material beteiligt und spielen eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur. Daher sind die Sporen unter anderem in der Erde, im Heu, im Komposthaufen und in der Luft. Bei Trockenheit können sie Monate oder Jahre überleben, wachsen tun sie aber nur in feuchter Umgebung.

Wie gefährlich ist Schimmel in Innenräumen?

Wenn sich die Fadenwesen unbemerkt in unserem Haus, am Arbeitsplatz oder in der Klimaanlage unseres Autos vermehren und sie giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) produzieren, die wir in grosser Zahl einatmen, birgt das eine grosse Gefahr für unsere Gesundheit. Diese wird leider oft unterschätzt, da es nicht so einfach ist, einen Zusammenhang zwischen Schimmelpilz und Beschwerden herzustellen. Die Gifte können verschiedenste Beschwerden oder Krankheiten auslösen oder verstärken und tagtäglich unsere Leistung beeinträchtigen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Schimmelpilze und Atemwegsbeschwerden (WHO 2010 und WHO 2009), aber auch häufigen Reizungen von Augen, Haut und Allergien (Bundesamt für Gesundheit BAG) sehen.

Da die Mykotoxine als Immunsupressiva wirken bzw. sie einen grossen Teil unseres Immunsystems beanspruchen um die fremden „Erreger“ zu bekämpfen, fehlt diese Abwehr an anderen Stellen. Wir werden dadurch anfälliger für verschiedene Infekte. Auch wirken die Gifte neurotoxisch. Die Symptome können daher äusserst vielfältig sein wie andauernde Kopfschmerzen, Schlafstörungen, unerklärliche Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Konzentrationsstörungen, chronische Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Nasennebenhöhlenentzündungen, Gefässschäden, die sich als Rosacea oder Hautrötungen zeigen, aber auch ein fördernder Faktor für MS, Krebs (Lunge) und Rheuma sein.

Wie kommt es zu Schimmel in der Wohnung?

Schimmelpilzsporen sind immer im Innenraum vorhanden. Zu einem Wachstum von Schimmelpilzen kommt es aber nur, wenn die Sporen auf eine feuchte Oberfläche treffen. Ursachen erhöhter Feuchte können sein:

  • defekte Dächer, Risse im Mauerwerk, aufsteigende Feuchte in Wänden und Böden
  • ungenügendes Austrocknen bei Neubauten oder nach Umbauten
  • Wassereintritt infolge von Rohrbrüchen oder anderen Wasserschäden
  • unzureichende Abfuhr erhöhter Raumluftfeuchte durch zu wenig Lüftung
  • Kondensation der Luftfeuchte in Klimaanlagen und im Bereich von „kalten“ Wänden durch unsachgemässes Heizen

Woran erkennt man Schimmel in der Wohnung?

Schimmelpilze bilden beim Wachstum durch ihre gefärbten Sporen farbige, oft braune oder schwarze Flecken. Manchmal wachsen sie aber auch im Verborgenen. Sie können sich nahezu überall ausbreiten, wenn sich Feuchtigkeit staut. Dies kann hinter Schränken, Bildern, Tapeten, Vorhängen, unter Wand- und Bodenplatten (v.a. wenn die Fugen Risse aufweisen), in Klima- und Lüftungsanlagen und weiteren Orten sein, an denen keine Luft zirkuliert (auch tief in der Baumasse liegende Stellen) oder auch in der Erde von Zimmerpflanzen. Ein erster Hinweis ist oft ein modrig-muffiger Geruch.

Massnahmen gegen den Schimmelbefall

Schimmel ist nicht nur unschön anzusehen, sondern hochgradig gesundheitsgefährdend. Auch wenn bisher noch nicht festgestellt wurde, ab welcher Konzentration gesundheitliche Auswirkungen auftreten und das Risiko höher ist, wenn man schon unter Heuschnupfen, Hauterkrankungen, Allergien oder allgemein unter einer Immunschwäche leidet, kann eine andauernde Schimmelpilzbelastung auch Menschen ohne Vorbelastungen längerfristig gesundheitlich schädigen. Daher sollte das Vorsorgeprinzip angewendet werden, wonach Schimmel in Innenräumen beseitigt werden muss, bevor es zu ernsthaften Erkrankungen kommt.

Wichtigste Massnahme: Reduzieren Sie die Feuchtigkeit

Besonders in der kalten Jahreszeit kann sich Schimmel ausbreiten. Der Grund: Warme Raumluft speichert Feuchtigkeit und kondensiert an kalten Stellen an Wänden, Türrahmen oder Türen. An diesen Flecken herrschen ideale Wachstumsbedingungen für Schimmelsporen.

Weitere präventive Massnahmen um Schimmelbildung entgegenzuwirken:

  • mehrmals täglich kurzes Stosslüften mit weiter Öffnung der Fenster, v.a. im Winter
  • Wenn bei einer energetischen Sanierung, dicht schliessende Fenster eingebaut werden, müssen Sie verstärkt lüften
  • nach dem Baden und Duschen das Badezimmer ausreichend lüften
  • Die Luftfeuchtigkeit in Räumen sollte während der Heizperiode 30-50% betragen
  • im Winter Wohnungen möglichst gleichmässig beheizen. Auch weniger genutzte Räume sollten nicht auskühlen
  • beschlagene Fensterscheiben, feuchte Gummidichtungen, Silikonfugen an Dusche und Badewanne oder nasse Fliessen umgehend trocknen
  • Fensterrahmen regelmässig vollständig reinigen
  • auf schlecht gedämmte Aussenwände achten: damit die Luft hier trotzdem möglichst gut zirkulieren kann, sollte man keine Möbelstücke direkt vor diese Wände stellen.
  • keine dichten, raumhohen Vorhänge in Fenster- und Eckbereichen beziehungsweise in Bereichen mit unzureichender Luftzirkulation anbringen
  • Klima- und Lüftungsanlagen, wo sich Schimmelpilze gerne verbreiten, regelmässig warten oder deaktivieren
  • Vorsicht bei allen „abgehängten“ Decken und Wandverkleidungen. Hier können sich immer unbemerkte Wasserschäden mit Schimmelbefall befinden
  • bei Tierhaltung die Spreu regelmässig wechseln
  • Für weitere Informationen lesen Sie dazu die interessante Broschüre des Bundesamt für Gesundheit BAG „Schimmel in Wohnräumen“, Broschüre BAG, MV, HEF, SVIT (rechts als PDF erhältlich).

Sanieren bei Befall durch Schimmel

Besteht bereits Befall durch Schimmelpilze, sollte man umgehend reagieren und den Schimmel so schnell wie möglich entfernen oder entfernen lassen. In Mietwohnungen kommt es sehr oft zum Streit mit dem Vermieter darüber, wer diese verursacht hat und deshalb für die Beseitigung aufzukommen hat. Lesen Sie dazu die Empfehlungen des Bundesamt für Gesundheit BAG.

Wenn die Nahrung Pelz trägt

Schimmelpilze treten auch auf überlagerten Lebensmitteln auf. Meist handelt es sich hier um die Gattung Aspergillus. Die nahezu unsichtbaren Sporen finden sich auch in jedes noch so kleine Marmeladeglas oder Stückchen vergessenes Brot und das Mycel wuchert schon längst, bevor es sich unserem Auge zeigt. Was bitter, muffig, ranzig oder fremd riecht oder schmeckt, sollte am besten weg. Besonders anfällig sind schwer lagerbare Lebensmittel wie Nüsse, Erdnüsse, Trockenfrüchte und Gewürze. Aber auch Getreide (Weizen, Mais und Reis), Kaffee und Schokolade können davon befallen sein. Im konventionellen Handel wird mit Schwefelung und Begasung konserviert. Im Bio-Handel wird auf die richtige Erntezeit, sorgfältige Sortierung, richtige Trocknung und Lagerung sowie Kontrolle per UV-Test gesetzt. Schimmern die Früchte grünlich müssen weggeworfen werden. Allenfalls bei Hartkäse wie Parmesan oder Emmentaler reicht es, wilden Schimmel grosszügig wegzuschneiden, wenn er oberflächlich ist.

Die wichtigste und am häufigsten vorkommende Art der Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln nennt man Aflatoxine. Sie sind bereits in winzigen Mengen giftig und bei wiederholtem Verzehr krebserregend (v.a. auf die Leber). Typischerweise entsteht unter einer längeren Schimmelbelastung ein chronischer Eisenmangel, aber auch eine Laktose-, Fruktose- oder Glutenintoleranz kann entstehen, weil die Mykotoxine die Darmschleimhaut angreifen.

Wichtig ist, dass Schimmelpilzsporen und Aflatoxine als hitzeresistent gelten, sich also durch das Kochen nicht inaktivieren lassen.

Schimmelallergie feststellen

Sollte eines der oben genannten Symptome bei Ihnen auftreten und Sie den Verdacht auf eine Schimmelallergie haben, sollten Sie sich von einem Arzt oder Therapeuten (eine Stuhlanalyse kann z.B. Aufschluss über Schimmelbefall im Organismus geben) genauer untersuchen lassen.

Gesundheitsgefahren durch Aflatoxine reduzieren

Eine gute Möglichkeit, die Gesundheitsgefahren durch Aflatoxine zu reduzieren, ist die Einnahme von einer Heilerde wie z.B. Bentonit. Diese bindet und leitet die Gifte aus.

Zwei weitere Arten von Pilze

Fadenpilze sind die häufigsten Erreger von Fuss-, Nagel- und Hautpilz. Sie können aber auch den Kopf befallen. Sie leben von Haut, Horn und Haar und verbreiten sich, wenn das Milieu am betreffenden Körperteil pilzfreundlich ist.

Hefepilze gehören naturgemäss ins Bier und in die Bäckerhefe. Sie machen keineswegs krank. Es gibt aber auch Hefepilzarten wie z.B. Candida albicans, die in geringer Zahl im Verdauungssystem (Darm) sehr vieler Menschen leben, ohne diese gesundheitlich zu beeinträchtigen. Pilze sind jedoch wie Mäuse: so lange die Katze (bzw. das Immunsystem) durchs Haus schleicht, verhalten sie sich still. Wenn aber die Katze (bzw. das Immunsystem) schwächelt, vermehren sie sich lawinenartig und produzieren giftige Stoffwechselprodukte.

Fazit: Bei Pilzbefall ist also immer das Milieu entscheidend! Schimmelpilze gedeihen in einer feuchten Umgebung, während Faden- und Hefepilze am oder im Körper vielfach nach einer Antibiotika-Therapie oder Säureblocker-Einnahme, aber auch während der Schwangerschaft entstehen können.

Weitere interessante Links:

Bulletproof: Top 11 Ways to Beat Toxic Mold In Your Home And Life & Moldy The Movie – The New Bulletproof Documentary

Dr. Mercola: Documentary Reveals the Hazards of Toxic Mold and Mold-Related Illness und Effective Strategies to Identify and Correct the Inflammation Caused by Mold Exposure

Quellen: Schimmelpilz – Krank durch Schimmel und Zentrum der Gesundheit

 

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